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Kronberger Bote: Eine "Schüssel" voller guter Laune
Oberhöchstadt (may)
"Das ist Wahnsinn, bei Schüssel erlebt ihr die Hölle -
Hölle, Hölle, Hölle, Hölle, eiskalt lasst ihr euch
die Biere servier’n..." Das Publikum klatscht und stimmt in den
Gesang ein, als Peter Schüßler, alias "Schüssel" mit
langer "Lockenmähne" singend ins Haus Altkönig einzieht. Jeden
Stuhl der Gaststätte hatte das "Schüsselpublikum" mit Beschlag
belegt; manche aßen, viele ließen sich wirklich "eiskalt die
Biere servieren", und alle warteten gut gelaunt auf Schüssels neuen
Auftritt " Wahn-Sinn". Der Oberurseler Peter Schüßler ist seit
zwölf Jahren Büttenredner im Karnevalsverein "Frohsinn". Als
vor sieben Jahren das Altoberurseler Brauhaus "Vetter" nach Umbau eine
Bühne bekam, hatte Schüßler dann die Idee, sein Talent
auf die Probe zu stellen und eine Karriere als "Comedy-Star" auf dieser
Bühne zu starten.
Ein "Schüssel-Fanclub" hatte sich schnell gefunden, und
mittlerweile tritt der 54- jährige Amateur im ganzen Hochtaunuskreis
auf. Auch seine " Pseudofamilie" – Frau Frieda, Sohn Heinz
Rüdiger und Hund Flocki – existiert nun seit sieben
Jahren.
"Schüssel ist der bauernschlaue Altstadtbewohner, der von zu Hause
aus kritisch die Weltgeschichte und Regionales betrachtet. Schüssel
ist einer, der über alles meckert", so Schüßler
selbst.
"Hallo Obbehöchstadt, haha, endlisch bin isch hier"
begrüßt Schüssel das Publikum nach seinem musikalischen
Einzug in waschechtem Hessisch. "Als isch meinem Vadder erzählt
hab’, dass isch nach Ohö geh’, hadder gesacht :
‘Ohö? Des is doch des Kaff, was halb so groß is wie de
Friedhof von Chicago, abe doppelt so dod.’"
Welch charmante Begrüßung! Aber noch fieser wurde dann seine
"Frau Frieda" durch den Kakao gezogen. "Frieda is’ die
zweitschönste Erfindung nach’m Dosenbier. Außerdem
erinnert ihre Figur an Wiesbad’ner Straßename: Ester Ring,
zweider Ring, Äppelwoiallee." Auch Sohn Heinz Rüdiger wird
nicht verschont. Schüssel erzählt, dass schon Heinz
Rüdigers Grundschullehrerin sagte, dass dieser ein helles
Köpchen sei. Daraufhin sagte Schüssel zu der Lehrerin: "Aja,
der schläft ja auch mit de Füß’ in de Steckdos."
Selber sagt Schüßler, dass seine Comedy nicht die leichte
Hausmannskost, sondern eher etwas deftiger sei. Zwei- bis dreideutig
seien die Witze, aber unter die Gürtellinie gingen sie nicht. Vor
allem versuche er, niemanden zu beleidigen. Aber er zieht sie doch alle
durch den Kakao: Frieda, Heinz Rüdiger und Flocki, die
Nationalmannschaft, Inge Meysel, Schumi und den Papst, unseren
Bürgermeister Kreß, Österreicher, Türken und viele
mehr.
Die Gürtellinie hat "Schüssel" wohl eher in den Kniekehlen,
sehr zur Gaudi des Publikums. Es wurde gelacht und geklatscht, dass die
Wände wackelten. "Mein Freund Fritz daff kein Viagra nehme, weil
sonst nach Aussagge seine Frau zwei sinnlos herumstehe." "Isch
brauch’ kei Viagra", fährt er fort, "als isch die Frida
neulisch morgens gefragt hab’ wie ich war, hat se’ gesagt
‘Wie lang hast’n noch gemacht?"
Gürtellinie hin oder her, Schüßler versteht es, Jung und
Alt zum Lachen zu bringen.
1992 hatte er einen Auftritt beim 100-jährigen Jubiläum des SC
Dynamo Dresden, 1995 war er sogar bei der Grün/Weissen Nacht des SV
Werder Bremen auf NDR zu sehen. Schüßler, der beruflich im
Sport- und Kulturamt der Stadt Oberursel tätig ist, mag keine
großen Säle und großen Bühnen. "Familiär muss
es sein. Da springt der Funke über aufs Publikum." Das
zehnjährige Jubiläum will er allerdings im großen Saal
der Stadthalle Oberursel mit allen Freunden und Fans feiern. Bis dahin
wird es aber noch einige neue Programme geben, denn jedes Jahr denkt sich
Schüßler ein neues Thema aus ,bevor es wieder heißt
"Schüssel-Live".
Mindestens einmal pro Jahr findet eine Benefizveranstaltung statt.
Für die IB-Behindertenhilfe, die Kinderkrebshilfe und viele andere
soziale Einrichtungen ist Schüßler bereits aufgetreten;
außerdem unterstützt er seit dem 11. September mit den
Einnahmen seiner CDs das Projekt des Bad Homburger Feuerwehrmanns
Christoph Schwarzer, der bereits 100.000 Mark für die Kinder der
Opfer gespendet hat und ihnen im nächsten August einen Besuch in
Deutschland ermöglichen möchte. Dass Schüßler auch
singen kann, hatte er ja schon zu Beginn des Abends bewiesen. Zum Schluss
sangen alle gemeinsam "Marmor, Stein und Eisen bricht aber unsre Liebe
nicht". Dass die Liebe des Publikums zu "Schüssel" niemals brechen
wird, ging aus den zufriedenen Gesichtern der Gäste an diesem Abend
hervor.
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